Frauen helfen Frauen e.V. im Landkreis Mühldorf am Inn

Hilfsangebot muss bekannter werden (OVB 09.06.18)

Waldkraiburg – „Es war kein leichtes Jahr für unseren Verein“, so die Vorsitzende Anne Markt in ihrem Rückblick auf der Jahreshauptversammlung von „Frauen helfen Frauen“.

„Und trotzdem gab es immer wieder Lichtblicke.“ Da war das großartige Benefiz-Konzert im Kloster Zangberg unter Schirmherrschaft von Minister Marcel Huber mit dem Vokalensemble „First Class“ und dem Frauenchor „La Gioia“ unter Leitung von Sigrid Weigl. Es erbrachte einen Erlös von rund 2500 Euro. Weitere ermutigende Veranstaltungen waren wohl der humorvolle Film mit ernstem Thema „Göttliche Ordnung“, die Beteiligung am Christkindlmarkt, dazu Spenden der Berufsfachschule für Ernährung und Pflege über 600 Euro und der Targo-Bank über 1500 Euro.

Hatte sich die Arbeit von Manuela Christ-Gerlsbeck sehr gut angelassen, so muss sie seit dem Juni 2017 wegen Krankheit pausieren. Man konnte deswegen nur telefonisch Auskunft und unbürokratische Hilfe geben und spürte überdeutlich, wie notwendig ein besetztes Büro gerade in Waldkraiburg ist. Erst ab dem 1. November trat Sozialpädagogin Sonja Kraus als Honorarkraft ihren Dienst an.

Der nächste Schlag folgte jedoch auf dem Fuß, als dem Verein seine Räume Stadtplatz 2-4 nach 22 Jahren gekündigt wurden. Erst nach langer und intensiver Suche fand man in der Müller- Passage 16 eine neue Bleibe. Alle Kräfte mussten die Frauen mobilisieren und sich selber helfen, um die schweren Möbel und die 35 Umzugskartons in das neue Domizil zu transportieren.

„Nie waren die Täter unbekannt!“ Sonja Kraus vom Frauennotruf des Vereins Frauen helfen Frauen

In ihrem Rückblick auf die vergangenen sieben Monate berichtete Sonja Kraus von 123 beratenden Kontakten; davon waren 59 persönlich, 48 telefonisch. 15 Frauen konnten an Facheinrichtungen weitergeleitet werden. Anlässe für die Hilfesuchenden waren bei 50 Prozent körperliche und psychische, bei 21 Prozent sexualisierte Gewalt, bei 14,6 Prozent standen Trennung und Scheidung im Hintergrund.

„Meist war häusliche Gewaltanwendung die Ursache, vereinzelt das Umfeld und erschreckend für mich: Nie waren die Täter unbekannt!“ Erschwerend, so Sonja Kraus, sei die Tatsache, dass die Anzahl der Frauenhäuser im Umkreis sehr begrenzt ist und diese meist auch voll belegt seien. Ein Ausweichen auf entfernter gelegene Einrichtungen unterbreche jedoch vielfach die sozialen Kontakte. Es gibt auch wenige günstige Wohnungen, in denen die Frauen ein neues Zuhause finden können.

Als sehr positiv an ihrer Tätigkeit empfindet es die Sozialpädagogin, wie offen ihr die Frauen gegenübertreten, wie dankbar sie sind und wie gut sie mitarbeiten. Dazu trage sicher auch die neue Unterkunft bei, die als geschützter Schonraum empfunden wird. „Einige Frauen kommen inzwischen nicht nur einmal, sondern sogar öfter“, so das Resümee von Sonja Kraus.

In ihrem Kassenbericht konnte Marie-Luise Hellwig auf Einnahmen von 38 500 Euro und Ausgaben über 35 000 Euro verweisen, wobei sie bemängelte, dass von den 31 Landkreisgemeinden nur 13 einen Beitrag an „Frauen helfen Frauen“ entrichten, allen voran Waldkraiburg mit 9200 Euro im letzten Jahr, gefolgt von Mühldorf mit 4000 Euro.

Die Neuwahl brachte durchwegs eine Bestätigung der bisherigen Vorstandschaft mit Anne Markt als Erster und Dr. Eva Loserth als stellvertretender Vorsitzender. Marie-Luise Hellwig bleibt Schatzmeisterin und Prüferinnen sind Gisela Fischer und Christine Blascheck. Ihnen stehen als Beisitzerinnen Andrea Weiner, Margarete Hübner, Maria Stöger und Rita Herdegen- Hümmrich zur Seite.

In der Aussprache wurde erwähnt, dass in Haag zu wenig über den Verein bekannt ist. Dies will man durch Presseberichte ändern. Inge Schauberger wies auf Wohnbegleiter hin, die eine Unterkunft suchenden Frauen behilflich sind. Zugestimmt wurde dem Bestreben, nicht nur neue Mitglieder zu werben, sondern gerade auf junge Frauen zuzugehen. Man will deshalb besonders an den Berufsschulen, Gymnasien und der Fachakademie in Starkheim aktiv werden, um die Hilfe für dieses gesamtgesellschaftliche Problem noch mehr bekannt zu machen. fis

Quelle: Artikel im OVB vom 09.6.2018