Frauen helfen Frauen e.V. im Landkreis Mühldorf am Inn

Intimster Bereich der Frauen betroffen (OVB 15.10.2012)

Ausstellungeröffnung "Blick dahinter"

Bei häuslicher Gewalt gegen Frauen ist in der Regel ihr intimster Bereich betroffen: ihre Partnerschaft, so Monika Binder, Sozialpädagogin bei "Frauen helfen Frauen". Dies sei der Bereich, in dem es am schwersten falle, die erlebte Not nach außen zu tragen. Die Ausstellung "Blick dahinter" des Bayerischen Sozialministeriums soll dieses Tabuthema in die Öffentlichkeit rücken.

Waldkraiburg - Mit der Wanderausstellung "Blick dahinter - Häusliche Gewalt gegen Frauen" bricht das Bayerische Sozialministerium ein Tabu und bringt ein heikles Thema, das sich durch alle Altersgruppen und Schichten zieht, an die Öffentlichkeit. Bis zum 25. Oktober können sich die Bürger im Rathausfoyer anhand von Drehtafeln und Hörstationen informieren.

Bei der Ausstellungseröffnung sagte Margarete Marklstorfer vom Verein "Frauen helfen Frauen", hier würden vielfältige Schichten der häuslichen Gewalt beleuchtet. Die Drehtafeln sollen einen "Blick dahinter ermöglichen" und sie wünsche sich ein "Schau dahinter" der Umwelt. Bürgermeister Siegfried Klika sprach ein Lob an "Frauen helfen Frauen" aus. Der Verein ist die Anlaufstelle im Landkreis für Frauen, die Gewalt erlebten. Außerdem sorgt er für ein Rahmenprogramm zur Ausstellung. Seit die Frauenberatungsstelle aktiv sei, habe sie dicke Bretter bohren müssen, um ein Bewusstsein zu schaffen, was oft hinter verschlossenen Türen geschehe. Eine Sensibilisierung der Bürger sei hier wichtig. Er verwies auf ein Netzwerk von Anlaufstellen für betroffenen Frauen. Das Rathaus biete hier eine Vermittlung an entsprechende Organisationen an.

"Mir macht das Thema Angst. Woher kommt denn das?", fragte er Sozialpädagogin Monika Binder. Sie betreut bei "Frauen helfen Frauen" die Betroffenen.

Klika fragte sich, ob der Rückzug ins Private und die Beschränkung auf virtuelle Kommunikation, wie sie immer häufiger werde, förderlich sei. Direkte Kommunikation sei immer besser. Wie mit "Frauen helfen Frauen", wo man Mut zugesprochen bekomme. Das man Dinge, die einem nicht gefallen, ausspreche, dazu gehöre großes Selbstbewusstsein.

Monika Binder konnte Klikas Frage nicht so einfach beantworten. Es gebe einen Teufelskreis der Gewalt. "Viele Frauen berichten, schon in der Kindheit einschlägige Gewalterfahrungen gemacht zu haben", erzählt sie aus ihrer Arbeit. Bestimmte Verhaltensmuster würden also schon in jungen Jahren grundgelegt werden - etwa die Akzeptanz von Gewalt. Sobald Kinder in gewalttätige Auseinandersetzungen der Eltern involviert seien, schließe sich dieser Kreis und bestehende Strukturen würden von Generation zu Generation weiter getragen. Manchmal sei das Aufsuchen einer Beratungsstelle der erste Schritt aus der Phase der Isolation, in die man sich eventuell aus Scham- oder Schuldgefühlen zurückzog oder weil der Partner einen kontrolliert.

Die Ausstellung soll nicht nur informieren. Betroffene erkennen sich selbst vielleicht wieder, wenn sie den Schilderungen an den Hörstationen lauschen. Infomaterial über Hilfe und Vorträge runden das Angebot ab. kla

Quelle: Artikel im OVB vom 15.10.2012